Herzlich willkommen in Berlin!

Die Geschichte hat diese Stadt immer wieder überrollt. Erst Alliierte Bomber und russische Panzer, dann Blockade, Kalter Krieg und Mauerbau.
Zwei Universitäten, zwei Flughäfen, zwei Zoos – die Spaltung der Stadt schien irreversibel. Das Wunder kam über Nacht vom 9. zum 10. November 1989, als die Mauer fiel und der Weg in eine geeinte Zukunft offen stand. Berlin erlebte in der Folge so etwas wie Gründerzeitstimmung, speziell als 1991 beschlossen wurde, den Regierungssitz vom Rhein an die Spree zu verlegen. Berlin ist heute „sexy“, ungemein kreativ und kulturell und kulinarisch vielfältig. Menschen aus allen Teilen der Welt schlagen in der märkischen Erde Wurzeln.


Wie durch Halbsätze die Berliner Mauer fiel.

Viele Deutsche wissen vermutlich noch ganz genau, wo sie am Abend des 9. November des Jahres 1989 waren, denn dieses Datum gehört ganz sicher zu den Momenten, die im kollektiven Gedächtnis bleiben. Mehr als 28 Jahre lang ist die Berliner Mauer Symbol des Eisernen Vorhangs. Sie teilt nicht nur Berlin, sondern Deutschland und die Welt. 1961 bezeichnet die DDR die Berliner Mauer noch als „vorläufige Maßnahme“. Sie sollte aber 10.316 Tage Bestand haben.

Denn am 9. November 1989 verkündete Günter Schabowski, damals Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED, auf einer Pressekonferenz in Ost-Berlin, dass DDR-Bürger künftig in den Westen ausreisen dürfen. Auf die Nachfrage, ab wann diese Regelung gelte, geriet Schabowski ins Stottern. Er blätterte in seinen Unterlagen, die ihm sichtlich nicht weiterhalfen, und brachte dann die längst legendären Halbsätze hervor: "Das trifft... nach meiner Kenntnis... ist das sofort, unverzüglich."

Dass diese Neuerung von der SED-Führung erst für den folgenden Tag vorgesehen war, hatte er nicht auf dem Zettel. Dass noch in derselben Nacht Tausende Ostdeutsche die Grenzübergangsstellen "stürmen" würden, wohl auch nicht. Damit war ein Prozess angestoßen, der nicht mehr aufzuhalten war und der Berlin und Deutschland wieder vereinigen sollte.


Was wäre Berlin ohne Berliner?

Vor allem im 19. und 20. Jahrhundert prägten Berliner Originale das Bild der Stadtbewohner, wie es bis heute besteht.

Einer von ihnen ist ohne Zweifel der Schuster Wilhelm Voigt, besser bekannt als der "Hauptmann von Köpenick". Dessen Coup war bis ins Detail vorbereitet. An der Spitze einer Wachmannschaft der preußischen Armee marschierte Wilhelm Voigt am Nachmittag des 16. Oktober 1906 zackig vom Bahnhof zum Rathaus von Köpenick. Niemand hegte auch nur den geringsten Verdacht, dass der vermeintliche Hauptmann alle an der Nase herumführen könnte. Tatsächlich stammten Uniform und Mütze vom Trödler. Denn gedient hatte der gelernte Schuster nie, aber viele Jahre im Gefängnis verbracht. Er besetzte das Rathaus von Köpenick, verhaftete kurzerhand zahlreiche Beamte und türmte schließlich mit der Stadtkasse. Preußens Armee: blamiert. Der dreiste Gauner: über Nacht ein Medienstar, und das nicht nur in Berlin, sondern weltweit.

Auch Ferdinand Strumpf, bekannter als Eckensteher Nante, gehört zu den Berliner Originalen. Er war ein Berliner Dienstmann mit der polizeilichen Konzessionsnummer 22, die auf einem Messing-Nummernschild vermerkt war, welches er widerum um den Arm trug. Nante hatte an der Ecke Königstraße/Neue Friedrichstraße seinen Standort – unweit der Destillation Eulner, in der er einzukehren pflegte. An der Straßenecke auf Gelegenheitsarbeiten wartend, kommentierte er, was sich um ihn ereignete mit einem Witz, der ihn zum Berliner Original machte.


Neben vielen unverwechselbar mit Berlin und ihren Bewohnern verbundenen bekannten Personen wie „Pinselheinrich“ (Heinrich Zille), „Harfenjule“ (Luise Nordmann) oder „Bimmel-Bolle“ (Carl Andreas Julius Bolle) zählen dazu vor allem die kleinen Händler, Schusterjungen, Laternenanstecker, Nachtwächter, Sandjungen, Marktfrauen, Fischweiber, Kohlenfritzen, Holzhauer und Droschkenkutscher.


Berlin in den Goldenen Zwanzigern: Die bebende, sündige Stadt.

Zweimal war Berlin in seiner Geschichte absolut modern, so sehr, dass die ganze Welt hinsah und schnuppern kam, heute und in den Zwanzigern. Und womöglich ging es damals noch deutlich wilder zu, denn Berlin ist in den Zwanzigerjahren die Stadt, die niemals schläft. Nach dem Krieg haben Hunderte Lokale ihre Türen geöffnet und locken die Stadtbewohner und immer mehr Besucher aus aller Welt an. In all den Bars, Spelunken, Theatern, Varietés, Kneipen, Cafés und Restaurants schwingt fast immer eine ganz spezielle Note mit: Erotik und amouröse Abenteuer liegen in der Luft. Nackte Haut, tiefe Dekolletés, Kajal und Lippenstift für Männer wie Frauen und eine lange Zigarettenspitze. Das legendäre Luxushotel Adlon lud zum Tanztee ein und die Gäste strömten in Scharen dorthin. Plakate aus dieser Zeitepoche zeigen leicht bekleidete Schönheiten, die sich in überdimensionierten Champagnergläsern drapieren. Die rauschende Lebenslust zieht die vielen Besucher in die Nachtlokale, am Ku'damm treffen sich Filmstars, Wirtschaftsbosse und natürlich auch die Unterwelt im einstigen "Kakadu".

Aber ist Berlin in den Zwanzigerjahren wirklich der tiefste Sündenpfuhl der Welt? Zeitzeuge Klaus Mann schreibt, dass "Millionen von unterernährten, korrumpierten, verzweifelt geilen, wütend vergnügungssüchtigen Männern und Frauen" versuchen, sich durch ihre Exzesse in einer auf den Kopf gestellten Welt der Realität des Alltags zu entziehen. Dafür bietet die Stadt eine Menge Möglichkeiten, von der einfachen Kaschemme bis zur kristalllüsternen Edelbar. Und überhaupt ist Berlin damals die Stadt der jungen, lebenshungrigen Menschen: Ein Drittel der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt.

Der Soja-Chai-Latte-Bezirk...

Bei vielen gilt heute der Prenzlauer Berg als Spießergegend des neuen Berlin. Brave Mütter und Väter, schicke Läden mit Luxusklamotten, durchgestylte Kneipen und überteuerte Mieten. Im Prenzlauer Berg, so wird geschmäht, sitzen sie mit zu viel Zimt auf zu viel Milchschaum, mit überversorgten Kindern, narzisstisch-autistisch gestört auf ihre Smartphones starrend, und bilden zusammen mit den von anderen isolierten Bewohnern in ihren teuren Penthäusern und Lofts die Speerspitze der Gentrifizierung Berlins.


Dabei ist es noch nicht lange her, da stand der Stadtbezirk Prenzlauer Berg für etwas völlig anderes: Vor allem seit den Siebzigerjahren zogen hier Künstler, Oppositionelle und Punks in die Häuser mit ihrem maroden Charme ein, wohnten dort zumeist schwarz. Sie besetzten das Vakuum, das Arbeiterfamilien und Kriegerwitwen hinterließen, wenn sie aus den grauen und zerbröckelnden Wohnungen in zentralbeheizte Plattenbauten nach Marzahn oder Hellersdorf umsiedelten. Künstler wie Jurek Becker, Katharina Thalbach, Manfred Krug oder die Malerin Cornelia Schleime lebten schon früh zeitweise im Prenzlauer Berg. Nina Hagen zog in eine Ladenwohnung in der Kastanienallee, Musiker der Punkband Feeling B, die später zur Gruppe Rammstein gehörten, spielten bei Hinterhoffesten. Es gab legendäre Treffpunkte wie den alten Hirschhof, ein von Nachbarn erkämpfter und begrünter Hinterhofpark.

Seit dem Fall der Mauer hat sich die Bevölkerung des Prenzlauer Bergs in großem Umfang ausgetauscht. Gut vier Fünftel der alten Bewohner sind, so die Schätzung, seit 1989 verschwunden.


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